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16.05.2016

Bildung 40 Thesen zum Ausbildungspersonal in Deutschland

Facetten des beruflichen Ausbildungspersonals

  • Die Ausbilder sind als Akteure in der beruflichen Bildung nicht exakt definiert, sondern es handelt sich um einen nach Vorbildung, Qualifikationsniveau und Berufserfahrung sehr heterogenen Personenkreis.
  • Der vielfach inflationär gebrauchte Begriff Ausbilder setzt hinsichtlich seiner Anerkennung neben der fachlichen - pädagogischen auch die persönliche Eignung der jeweiligen Person voraus.
  • Die in der Ausbildung tätigen besitzen die für den jeweiligen Beruf benötigten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sowie die in der Regel durch eine Prüfung nach der AEVO nach-gewiesenen entsprechenden berufs- und arbeitspädagogischen Qualifikationen.

  • Die Verfügbarkeit empirischer Daten zu den quantitativen Verhältnissen hinsichtlich der Breite und Vielfalt des an der Ausbildung beteiligten Personals ist eingeschränkt.
  • Die Mehrheit der gemeldeten Ausbilder AEVO übt ihre Tätigkeit nur als ausbildende Fachkraft aus, nur eine Minderheit ist hauptamtlich beschäftigt.
  • Für die größte Gruppe des beruflichen Ausbildungspersonals, wie bspw. die ausbildenden Fachkräfte oder Ausbildungsbeauftragten sind keine aktuellen quantitativen Aussagen vor-handen.
  • In rund 80% der Unternehmen (vor allem KMU) engagieren sich ausbildende Fachkräfte bzw. Ausbildungsbeauftragte ohne AEVO neben ihrer eigentlichen Tätigkeit für die berufliche Ausbildung. Diesem Personenkreis fehlt Unterstützung, Beratung und Anerkennung.
  • Auch in 2014 ist ein Rückgang der bei den zuständigen Stellen gemeldeten Ausbilder um 9.690 Personen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen.
  • Das Potenzial von insgesamt 665.508 Ausbildern, die bei den zuständigen Stellen registriert sind, bietet eine gute Grundlage für die Aktivitäten des "Bundesverbandes Deutscher Berufsausbilder e.V." als Dienstleister, für weiterführende Qualifizierungsmaßnahmen.
  • Hier das Angebot der DBA zur Qualifizierung zum Lernprozessbegleiter als weiterer Schritt nach der AEVO in modularer Form.
  • Bei allen Überlegungen zur perspektivischen Entwicklung des beruflichen Ausbildungspersonals erlangen die Beachtung der Geschlechterstruktur und der Verteilung der Altersgruppen eine deutlich stärkere Berücksichtigung.

Typologie der Ausbilder

  • Die Qualifizierung des Fachkräftenachwuchses erfolgt in zahlreichen Industrie- und Handwerksbetrieben, Werkstätten, Büros und Praxen durch nebenamtliche Ausbilder mit AEVO-Abschluss, deren Rolle und Stellung sehr differenziert und immer betriebsabhängig ist und deren Einsatz durch spezifische Weiterbildungsaktivitäten unterstützt und mehr betriebliche Wert-schätzung gewürdigt werden sollte.
  • Bei der Aufgabe, die berufliche Bildung als tragende Säule des deutschen Bildungssystems zu erhalten und zukunftsfest auszurichten, werden vor allem die hauptamtlichen Ausbilder eine wachsende Verantwortung übernehmen müssen.
  • Das sich verändernde berufspädagogische Selbstverständnis bzw. Konzept führt zu einer erweiterten Typologie von hauptamtlichen Ausbildern im Sinne von Organisator, Coach, Kollege oder Berufspädagogen.
  • Mit ihrem Beitrag zur Sicherung einer qualitätsgerechten Ausbildung und Vermittlung der Unternehmenskultur leisten die hauptamtlichen Ausbilder in ihrer Doppelfunktion als Betriebsangehörige und "Erzieher" zugleich einen Beitrag als Lernberater bzw. Lernprozessbegleiter.
  • Notwendig ist die Sicherung der Flexibilisierung der beruflichen Ausbildung in den Betriebsabteilungen durch die Auswahl geeigneter Arbeitsplätze und ausbildender Fachkräfte.
  • Die hauptamtlichen Ausbilder profilieren sich zunehmend als Rat- und Impulsgeber sowie Unterstützer für betriebliche Innovationsprozesse.
  • Es ist erforderlich, dass die Ausbilder zunehmend auch die Rolle eines Personalentwicklers oder Personalcoaches für die Auszubildenden wahrnehmen bzw. als Gestalter der Verzahnung von Aus- und Weiterbildung im Unternehmen wirken können.
  • Die immer engere Verzahnung von beruflicher Aus- und Weiterbildung erweitert das Auf-gabenfeld des beruflichen Ausbildungspersonals, erfordert eine größere Eigeninitiative und setzt die Unterstützung bei der berufs- und betriebsspezifischen Qualifizierung voraus.
  • Für diese Erfordernisse und Handlungsfelder als Ausbilder im Sinne eines "Aus- und Weiterbildners" sind durch die Unternehmen die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen.
  • Die in Breite, Vielfalt und Komplexität erweiterte Ausbildungstätigkeit auch im Sinne von "Entwicklungsbegleitung und Erziehung" erfordert ein neues Denken und Handeln hinsichtlich der Anleitung, Beratung und der berufspädagogisch-psychologischen Qualifizierung in allen Bereichen sowie insbesondere in den Industrie- und Handwerksbetrieben.
  • Die Ausbildertätigkeit wird durch die ständig steigende Herausforderung geprägt, mit zunehmender Heterogenität umzugehen und die darin liegenden Potenziale zu nutzen.
  • Der Aspekt der Diversifizierung erfordert größere Beachtung hinsichtlich der Heterogenität nach Vorbildung, Alter und Herkunft sowie der spezifischen Qualifizierung von Benachteiligten und Behinderten, im Sinne der Teilhabe.
  • Die sich vollziehenden gesellschaftlichen Veränderungen erfordern ein neues Denken und vor allem zielgruppenspezifische Ausbildungs- und Unterstützungskonzepte zur Verbesserung professioneller Handlungskompetenz und verstärkt Inklusionskompetenz des Ausbildungspersonals.
  • Bei der didaktisch-methodischen Qualifizierung der hauptamtlichen Ausbilder sind Wahrnehmung, sowie die professionelle Führung heterogener Zielgruppen zu vermitteln.
  • Die hauptamtlichen Ausbilder sind zu befähigen, mögliche Auswirkungen von heterogenen Gruppen bei sich selbst, in Gruppen und bei einzelnen Lernenden zu erkennen und so zu handeln, dass die Ausbildungsziele erreicht werden.
  • Die rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation " ReZA" stärkt die berufliche Handlungs-kompetenz für die Ausbildung von Menschen mit Behinderung und benachteiligter Jugendlicher.
  • Die Fachkraft für Milieubildung und Teilhabe ist in der Lage die Entwicklung eines Milieus zu gestalten und findet ihr Berufsfeld insbesondere in Lebens- und Arbeitsgemeinschaften, bzw. in der Arbeitsbegleitung.
  • Bei der Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfs erhält die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und damit die Vermittlung von interkultureller Kompetenz einen besonderen Stellenwert.
  • Ein grundlegendes Ziel ist und bleibt es, Jugendliche mit unterschiedlichen Voraussetzungen am Arbeitsplatz handlungs- und geschäftsprozessorientiert auszubilden.
  • Die Prüfung bisheriger berufspädagogischer Konzepte sollte auch die Verbesserung der Lernortkooperation, die Integration von Eltern und Möglichkeiten des Zusammenwirkens der an der Ausbildung beteiligten regionalen Akteure, zuständigen Stellen und Sozialpartner zum Ziel haben.

Bundesweite Aufstiegsfortbildung

  • Mit der Einführung der Aufstiegsfortbildung "Geprüfter Aus- und Weiterbildungspädagoge" sind neue Möglichkeiten für den beruflichen Aufstieg geschaffen worden, die als Karrierechance vor allem für hauptamtliche Ausbilder noch mehr genutzt werden sollten.
  • Die neue Aufstiegsfortbildung "Geprüfter Berufspädagoge" bietet Zukunftsoptionen für die Bewältigung der demografischen und wissenschaftlich-technischen Herausforderungen und sollte Bestandteil der Personal- und auch Nachwuchskräfteentwicklung in den Unternehmen und bei Bildungsdienstleistern werden.
  • Die triale Weiterbildung bietet eine Möglichkeit zur pädagogischen Professionalisierung bzw. zur Höherqualifizierung des Ausbilders. "Vom Facharbeiter zum Master Berufliche Bildung."

Erwartungen an die Ausbilderforschung

  • Die ständig steigenden Herausforderungen bei der beruflichen Ausbildung des Fachkräftenach-wuchses erfordern Analysen der Komplexität des Anforderungsprofils ausbildender Fachkräfte und Entscheidungen zur verbindlichen Vermittlung eines berufspädagogischen Grundwissens außerhalb der AEVO.
  • Die Aufarbeitung der in mehr als 40 Jahren gewonnen Erfahrungen und vorhandenen Publikationen aus Ostdeutschland bei der Qualifizierung von Lehrfacharbeitern/Lehrbeauftragten, Lehrmeistern sowie von Ingenieur- und Ökonompädagogen ist für die weitere Profilierung einer gesamtdeutschen Ausbilderforschung objektiv erforderlich.
  • Ein immer wieder angemahnter Forschungsbedarf betrifft Analysen und Einschätzungen zum berufspädagogischen Ausbilderhandeln nach Ausbildungs- und Wirtschaftsbereichen, Branchen und Betriebsgrößen.
  • Bestehende Qualifizierungsangebote sind stärker auf die Vermittlung des umfangreichen Potenzials handlungsorientierter Lern- und Ausbildungskonzepte auszurichten.
  • Zur Erhöhung der Kooperationsfähigkeit der beiden Lernorte Betrieb und Berufsschule sind Möglichkeiten und Grenzen der Lernortkooperation zu ermitteln und Wege zur Optimierung zu beschreiben.
  • Zur Bewältigung der Probleme von Ausbildungsabbrüchen, der unterschiedlichen Ausbildungs-reife und der Zunahme der Heterogenität unter den Auszubildenden sind Handlungsempfehlungen im sozialpädagogischen Kontext auszuarbeiten und Best-Practice-Beispiele zu veröffentlichen.

Autor: Dr. Axel-Michael Unger